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Kor med Karisma  
Konsert i Nürtingen/Tyskland 

Konsert i Nürtingen/Tyskland

Kulturbotschafter erster Klasse

Der "Bergen Kammerkor" gastierte am Samstagabend gemeinsam mit dem Nürtinger Kammerchor in der Kreuzkirche

NÜRTINGEN.

Musik ist Weltsprache. Wie viel ist über ihre Funktion als Mittlerin zwischen Menschen, Völkern und Kulturen nicht schon bemerkt worden. Doch so eindrücklich wie aus holden Sängerkehlen mögen diese Huldigungen an Frau Musika selten erschallen. Darüber hinaus sollte sich der "Bergen Kammerkor" bei seinem Konzert in der Kreuzkirche mit seinen besonders gelungenen Interpretationen skandinavischer Kompositionen als Kulturbotschafter erster Klasse erweisen.

Nach Nürtingen gekommen war die seit 20 Jahren bestehende Sängervereinigung auf Einladung des hiesigen Kammerchors. Die beiden Ensembles lernten sich beim internationalen Chorwettbewerb im italienischen Grado kennen und schätzen, die Kollegen aus dem norwegischen Bergen belegten damals vor Nürtingen den ersten Platz. Dies mag schon allein für die hohe Qualität der Darbietungen sprechen; man vereinbarte jedenfalls, aus Freude am gemeinsamen Musizieren, weitere Zusammenarbeit. Am vergangenen Samstag war es dann so weit, vor interessiertem Publikum konnten unter der Dirigentin Annlaug Hus die Früchte intensiver Probenarbeit präsentiert werden.

Vieles davon sollte sich als eine ungeheure Bereicherung für hiesige Hörgewohnheiten entpuppen, die mit der nordischen Vokalliteratur in der Regel nur wenige Berührungspunkte aufweisen. Somit war es auch nicht weiter erstaunlich, dass das erste Werk des Abends dem musikalisch größten Sohn der Stadt Bergen gewidmet war: Edvard Grieg. Der hat seine relative Popularität der regen Reise- und Konzerttätigkeit im Ausland und vor allem seinem in mehrfacher Hinsicht unsterblichen "Peer Gynt" zu verdanken. Von den vielen kleineren, aber nicht weniger reizvollen Stücken hob man mit dem "Ave maris stella" ein in Vergessenheit geratenes erneut ans Tageslicht. Es verströmte wohldosierten, sonoren Wohlklang, bot eben den viel gepriesenen Wink mit der Griegschen Naturromantik.

Immer noch romantisch, aber mit stringenter Formensprache sind die vornehmlich sakralen Werke Egil Hovlands. Mit "Return to my soul" ist ihm eine durchaus interessante Vertonung des 116. Psalms gelungen. Die Ausführenden boten dabei gehörige Stimmkraft auf, ja sogar halb-solistische Partien meisterten sie durch profunde Könnerschaft.

Außerordentlicher Einsatz war auch bei "Aurignon noustessa" von Toivo Kuula erforderlich. Die Sängerinnen und Sänger schilderten in finnischer Sprache und mit großer Energie den überwältigenden Anblick eines Sonnenaufgangs. Bestechend war vor allem die feine Ausdifferenzierung und die hervorragende stimmliche Balance ebenso wie der effektvolle Schluss.

Weiter ging es dann in für unsere Ohren doch bekanntere Gefilde. Henry Purcell wird von Kennern und Liebhabern oft als der herausragendste englische Komponist aller Zeiten gehandelt, ob man dem pauschal zustimmen mag oder auch nicht, im Barock war er es bestimmt und kein anderer so einflussreich und beliebt wie der Londoner Meister. Und das vor allem ob seines Instrumentalwerks. Seine geistlichen Werke hingegen sind im Rausch der Entwicklung nicht weiter tradiert worden. In recht getragener Manier zeigt sich das "Hear my prayer", nach Psalm 102, von den Choristen rein intoniert, mit klarer Linie und großer Klasse. Doch man ist auch für Virtuoses zu haben. Etwa das "Exsultate Deo" aus der Feder Giovanni Pierluigi da Palestrinas mit opulenten Ausschmückungen, reichhaltigen Figurationen und zahllosen hervorragend gestalteten Koloraturen.

Danach gesellte sich der Nürtinger Kammerchor zum gemeinsamen Vortrag auf die Bühne, das Programm wies zwei deutsche Werke aus. Zuerst das "Abendlied" von Josef Rheinberger, sodann Brahms' "Waldesnacht". Hans-Peter Bader intoniert, man beginnt zu singen. Doch ganz geheuer mag dies doch nicht klingen. Bergen huldigt programmgemäß dem Abend, Nürtingen folgt der Angabe des Maestros und lässt die ersten Töne dem deutschen Wald zu Ehren erklingen. Da hilft, bei aller Flexibilität, kein Umschwenken, die Verständigung kommt dann über die englische Sprache zustande, man ist sich schließlich einig und, o Wunder, alles reinste Harmonie und allerbestmöglicher Wohlklang.

Im zweiten Teil des Konzerts war die Messe für Chor, Klavier und Streichquartett von Steve Dobrogosz, Jahrgang 1956, geboten. Sänger wie Instrumentalisten - Tove Kragset (Klavier), Birgit Schuster, Regina Otsuka (Violine), Takashi Otsuka (Viola), Elsabe Krause (Cello) und Gerhard Ziegler (Kontrabass) - schwangen sich nochmals zu künstlerischen Höhenflügen empor. Die Komposition steckt voller Gegensätze, manches erscheint fast schroff, anderes hingegen lyrisch und mit großer Geste, harte Rhythmen treffen auf fragile Passagen, hier herrscht das Atonale, dort tun sich chromatisch verzückte Themen auf. Als Höhepunkt verklingt das machtvolle "Agnus dei" in inbrünstiger Demut und Hoffnung im Raum.

Jubelnder Beifall wird laut, man überreicht Blumen und zum Schluss gibt es als Zugabe, wie könnte es anders sein, ein norwegisches Volkslied.Martin R. Handschuh 

 


Zwei Chöre und Instrumentalisten intonierten eine Messe von Steve Dobrogosz.Foto: mrh